Ja, das war tatsächlich einmal ein möglicher Titel für dieses Interview.
Wir haben ziemlich lange darüber diskutiert, wie die Geschichte heissen könnte.
„Ordnung mit Peitsche?“
„Mit Peitsche und Brot?“
Und noch ein paar Varianten, die es besser nicht bis in den Druck geschafft haben.
Irgendwann landeten wir sogar sinngemäss bei „Deep Voice“ und Queen Elizabeth.
Der Gedanke dahinter: Manche Menschen brauchen keine fünf Möglichkeiten und auch keine vorsichtig formulierte Empfehlung. Sie brauchen eine klare Ansage.
So wie früher die Mutter:
Das gilt jetzt. Punkt.
Ruhig, bestimmt und ohne unnötigen Interpretationsspielraum.
Und manchmal gibt es dafür sogar einen ganz konkreten Hintergrund. Wenn beispielsweise eine ADHS-Diagnose bekannt ist, können klare Strukturen, kurze Absprachen und eindeutige nächste Schritte im Alltag enorm hilfreich sein.
Ich musste lachen. Denn ganz falsch ist das vermutlich nicht.
Trotzdem kamen wir irgendwann zum Schluss, dass wir mit Peitsche, mütterlicher Autorität und allzu provokanten Titeln vielleicht etwas vorsichtiger sein sollten. Nicht, dass aus einem Porträt über Organisation und Entlastung am Ende noch eine ganz andere Geschichte entsteht.
Also wurde es etwas milder:
„Weg vom Chaos, hin zu Klarheit.“
Und eigentlich trifft das meine Arbeit ziemlich gut.
Denn wenn ich bei einem Unternehmen ins Spiel komme, geht es selten darum, einfach ein bisschen „Ordnung zu machen“.
Meistens sieht es eher so aus:
Das Postfach ist voll.
Rechnungen bleiben liegen.
Administrative Aufgaben stapeln sich.
Man sucht Dinge, von denen man sicher ist, dass man sie irgendwo abgelegt hat.
Und für das eigentliche Geschäft bleibt immer weniger Zeit.
Dann schaue ich hin.
Nicht mit der Peitsche.
Aber manchmal durchaus mit einer gewissen Hartnäckigkeit.
Wo geht unnötig Zeit verloren?
Was braucht es wirklich?
Was kann einfacher werden?
Was kann weg?
Und was können wir unseren Kundinnen und Kunden ganz abnehmen?
Und eines ist mir dabei besonders wichtig:
Ich spreche Menschen und Unternehmen an, die wirklich bereit für Veränderung sind.
Denn wenn ich vorbeikomme, komme ich nicht, um zu bestätigen, dass eigentlich schon alles ganz gut läuft.
Ich komme auch nicht, um Dinge schönzureden.
Ich komme, um hinzuschauen, Fragen zu stellen, Gewohnheiten zu hinterfragen und gemeinsam etwas zu verändern.
Und ja: Wenn ich einmal genauer hinschaue, wird sich in der Regel einiges verändern.
Nicht einfach um der Veränderung willen. Sondern damit Abläufe einfacher werden, Verantwortlichkeiten klarer sind, weniger liegen bleibt und am Ende tatsächlich mehr Ruhe in den Alltag kommt.
Das funktioniert aber nur, wenn die Menschen dahinter auch bereit sind, alte Muster loszulassen.
Denn Entlastung bedeutet manchmal nicht nur, dass jemand etwas übernimmt.
Manchmal bedeutet Entlastung auch, dass man akzeptiert:
So wie bisher machen wir es nicht mehr.
Im Interview habe ich es so gesagt:
„Es gibt keine Standardlösung. Jeder Mensch hat andere Bedürfnisse.“
Und genau deshalb kann Entlastung eine neue Ablagestruktur sein, eine klare Regel fürs E-Mail-Postfach, eine Wochenroutine – oder schlicht die Entscheidung:
Das mache ich künftig nicht mehr selbst.
Aus „Ordnung mit Peitsche“ wurde also „Weg vom Chaos, hin zu Klarheit.“
Wahrscheinlich besser so.
Wobei ein kleines bisschen Konsequenz manchmal eben doch dazugehört.
Den ganzen Artikel über eggimann entlastet gibt es hier:
https://www.miplan.ch/flipbooks/BestOf/2026/BE/Bo_Bern_23.html#p=58
